Hermann & Isolde

Hermann & Isolde

 

TEIL I von ?

Wir werden sehen, wohin die Reise geht!

 

Sie waren schon fast 50 Jahre zusammen. Hermann & Isolde. Ein altes Ehepaar, das so manche Hürde im Leben gemeinsam überwunden hat. Ein Ehepaar, wie es Tausende davon gibt. Mal glücklich, mal traurig, mal resigniert, mal hoffnungsvoll, mal verwundbar, mal stur, mal garstig, mal liebevoll, etc. Eben alles, so wie es in einer normalen Ehe, die seit fast 50 Jahren besteht, zugeht.

 

Hermann, ein mittlerer bis großer Macho. Er war der Herr (meinte man von außen), der sich seine Schuhe putzen ließ. Er zog die Kleidung an, die ihm Isolde hinlegte. Die Koffer ließ er von seiner Frau packen. Er ließ sich den Frisör- und Zahnarzttermin von seiner Frau machen. Er aß, was sie kochte. Meckerte, wenn es nicht schmeckte. Aber dies nur heimlich vor sich hin. Er war der Chef vor dem Fernseher, der „Bestimmer“ wo es langging. Der Führer, der anscheinend immer wusste, wohin er wollte und dies mit großen Schritten tat.

 

Isolde, die häusliche, brave Ehefrau. Tat, wie er von ihr erwartete. Stopfte seine Strümpfe, machte Vesperbrot, bügelte seine Wäsche, wärmte das Bett wann immer es ihm zumute war. Schleppte das Bier und den Wein nach Hause. Sie lief dahin wo ihr Mann hinging. Er würde wohl schon gut sein. Sie vertraute sich ihm an.

 

 

Das Besondere der Erde!

Man muss nicht blühen um Wünsche zu haben.

 

 

 

Sein Weg war ihr Weg.

 

 

 

 

 

 

 

Isolde hatte nie den Wunsch oder das Bedürfnis etwas für sich zu haben. Sie hatte sich total aufgegeben im Laufe des Lebens. Eigene Bedürfnisse hatte sie keine und wenn sich doch so etwas wie eine Sehnsucht nach etwas in ihr einstellte, dann drückte sie es erfolgreich weg. Sie war es nicht wert, etwas für sich zu haben, das nur sie alleine wollte. So war ihre Einstellung zu sich selbst. Sie wähnte sich zufrieden, glücklich und war dankbar ihrem Ehemann dienen zu können.

 

Doch das Schicksal wollte etwas Anderes mit den Beiden!

Eines Tages – sie liefen gerade gemeinsam durch den Baumarkt – da entdeckte Isolde an einem Verkaufsständer kleine Beutelchen auf denen Namen standen.

Wie fremd bestimmt drehte sie den Ständer im Kreis und tatsächlich sie fand ein Beutelchen auf dem auch ihr Name stand. „ISOLDE“! Nicht genug davon. Da stand auch noch „ISOLDE’S BAG“! Vor Faszination blieb sie stumm davor stehen. Zu lange für den Hermann. Es schien ihm zu unbedeutend vor solchen Zeug Zeit zu verschwenden. Er musste doch nach einem Nagelsortiment schauen um den Schuppen vor dem Haus auszubessern.

 

„Geh nur voraus,“ so sprach die Frau und war bei Ihren Worten selbst erstaunt.

Mit einem kurzen sprachlosen Zuck, lief Hermann in Richtung Nägel während Isolde vor „ISOLDE’S BAG“ immer noch erregt stehen blieb. Nach etwas Zeit nahm sie das Beutelchen vom Ständer. Da gab es einen Druckknopf. Sie öffnete ihn und erfreute ich an einer zusammengefalteten Tasche. „ISOLDE’S BAG“!

 

Isolde faltete die Nylontasche wieder zu einem Beutelchen. Als sie fertig war, drehte sie den Ständer und fand doch tatsächlich auch „HERMANN’S BAG“.

Es dauerte nur Sekunden. Die sonst so zurückhaltende Isolde nahm auch „HERMANN’S BAG“ vom Ständer. Mit beiden Beutelchen lief sie nun schnell zu ihrem Mann, der einen Verkäufer in ein wichtiges „Nagelgespräch“ verwickelt hatte.

 

Das Nägelsortiment lag nun neben dem roten „ISOLDE’S BAG“ und dem blauen „HERMANN’S BAG“. Beim Schieben des Einkaufwagens klapperten die Nägel klirrend vor sich hin, während die Beutelchen keinen Ton von sich gaben. Die unausgesprochene Stille die nun zwischen dem Ehepaar lag, war sehr gespannt von beiden Seiten.

 

Schnurstracks lief Hermann mit dem Wagen voraus in Richtung Kasse, während Isoldes’s Kopf glühte wie vom Fieber besessen. Sie führte einen inneren Kampf, den nur einer gewinnen konnte. Der eine Teil Isolde schämte sich für den Wunsch diese Taschen haben zu wollen. Dieser Anteil fand sich kindisch, unmöglich, habgierig. Der andere Teil Isolde fühlte sich glückselig, wichtig, aufgeregt. Dieser Anteil klopfte wild in ihrem Herzen und wollte erhört werden, wollte wahrgenommen werden, wollte endlich leben.

 

Herzlichst Irene Steinbach

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